Der ewige Kampf

425_SocialMediaKiller

Hygiene ist wichtig! Ich versuche ja meine „Netzwerke“ immer mal wieder etwas aufzuräumen. „Freunde“ aussortieren oder Links überprüfen.

Das hier lag mir schon lange am Herzen, da ich mich mit dem virtuellen Ballast nicht wohl gefühlt habe. Aber wie entscheiden, welchen Account man noch braucht, oder wer einfach gelöscht werden kann.

Ich muss zugeben, Accounts löschen fällt mir leichter, als “Freunde” bei Facebook oder Twitter zu löschen. Bei Twitter und Facebook stelle ich auch gerne “nur” Stumm, bleibe aber weiter “befreundet”. Ich will ja nicht verstoßen, oder loslassen.

Bei den Accounts ist das eine andere Sache. Ich weiß noch, kurz nach dem Studium habe ich fast bei jeder Plattform mitgemacht, die mir Kontakte, Netzwerke und Jobs versprochen hat. Dann kamen die Plattformen, die man nutzen sollte, weil es der Arbeitgeber so wünschte, und dann natürlich die eigenen Plattformen um sich zu Inszenieren oder ein wenig zu verwirklichen.

Randnotiz: Neben meinen Socialmedia Accounts und Meidenplattformen habe ich inzwischen knapp 60 aktive Passwörter. Geräte, Emailkonten, Mitgliedschaften, Kundenkonten, Onlinebanking, Foren … suchts euch aus.

Seit einiger Zeit verspüre ich den Drang weniger besitzen zu wollen, dafür aber qualitativer. Ich habe Geräte wie mein Cintiq verkauft, dafür aber ein iPad Pro angeschafft. Ich kaufe wenig Klamotten, dafür aber fast ausschließlich in hoher und oder langlebiger Qualität. Und wenn es um meine Zeit geht, kommt ein ähnliches Gefühl in mir auf. Ich habe nicht mehr viel Freizeit. Seit der Geburt meiner beiden Kinder ist die für mich wirklich nutzbare Zeit auf die Abende nach 20 Uhr und 4 Stunden an Dienstagen beschränkt. Der Rest ist gefüllt mit Hausarbeit, Beruf und Kinderbetreuung. Laaaaaangsam sind meine Kinder so selbstständig, dass ich auch mit ihnen zusammen ein zwei Dinge für meine Projekte oder meine Aufträge schaffe.

Meine also sehr geringe Zeit nutze ich im Moment fast ausschließlich für meine Comics und ein bisschen für MAGUN. Und wenn mein Gehirn, oder mein Körper nicht mehr will/kann zocke ich relativ spät Abends noch ein wenig am Computer … aber auch mehr so halbherzig. Viel Arbeitszeit für meinen Comic besteht aus Contentpflege, …und JETZT habe ich den Bogen gespannt.

Contenpflege ist Arbeit. Zeitfressende, manchmal nervende Arbeit. Und alle Accounts können nur etwas bringen oder generieren, wenn man sie Pflegt. Xing oder ähnliche Accounts sind unnütz oder gar giftig, wenn sie nicht gepflegt werden. Eine Hompepage die bei den “aktuellen News” ein Datum zeigt, das schon über ein Jahr her ist überkommt mich eine Abneigung. Besuche ich einen Blog, der “Dahingerotzt” aussieht, und nur alle 5 Monate oder so mal einen Beitrag bringt verlässt mich das Interesse. Sehe ich ein Portfolio von einem Künstler, das seit über einem Jahr kein neues Bild hat beschleicht mich das Gefühl, dass dieser Künstler untätig ist, oder einfach nicht besser geworden ist, sich also nicht entwickelt und damit ambitionslos oder gar unfähig ist. Das klingt jetzt etwas übertrieben, aber aus medienpsychologsicher Sicht bin ich da nicht der einzige. Content ist König.

Ich hatte das Verlangen so gut gesehen zu werden wie nur möglich. Wie mein damals sehr breit gefächertes Angebot, war auch meine Präsenz im Netz stark gestreut. Was hat es mir gebracht? Viel Arbeit, wenig Geld. Die Qualität des Contents ist wichtig, und um ihn zu generieren fällt man schnell ins “Mirroring”, also in das duplizieren der schon existierenden Arbeit. Ich mache das zum Beispiel über meinen Blog. Sobald ich einen Comic fertig habe erscheint der Comic bei Twitter, Facebook (vor einigen Wochen auch noch bei Xing), google+ und früher auch noch bei DeviantArt. Manuel “Spiegel” ich den Comic auch noch auf Patreon und auf Tapastic. Allerdings in Englisch. Das hat das Ziel um eine Grundbasis von Interessierten zu generieren, um später mit anderen (Comic)-Projekten direkt eine kleine Gruppe zu haben, die ohne zu zögern das neue Projekt zumindest mal ansehen wird. Die sozialen Netzwerke dienen nur der Verbreitung und sollen “die Fläche abdecken”. Doch auch das kann einen negativen Effekt haben, wenn man für die jeweilige Plattform nichts spezielles zu bieten hat.

Für mich hat sich Twitter als das angenehmste Medium erwiesen. Die Comics lassen sich gut lesen, die App funktioniert, die Timeline ist überschaubar. Es ist simpel und spaßig für mich. Meine Follower machen mir viel Freude, und ich folge Künstlern auf der ganzen Welt und erfreue mich über deren Bilder. ABER LEANDER!?!? … werdet ihr vielleicht sagen. Das kann man doch auch bei Facebook, und noch mehr!?!? Jain. Facebook ist für mich nur noch anstrengend. Ich lese immer wieder Dinge die ich nur noch störend finde, obwohl ich immer wieder mal filtere und die Einstellungen ändere. Es ist auf eine komische Art und Weise die Natur von Facebook so zu sein. Auch wenn ich nicht perfekt sagen kann was es ist. Tumblr war für mich absolut unspannend geworden. Die “Tags” habe ich immer vergessen, die Optik hat mir nicht gefallen. Die Followerschaft war winzig und wenig interessiert.

Kommen wir zu den berufsfördernden Netzwerken, wie Xing. Mein Xingaccount ist 7 Jahre geworden … er hat mir NICHTS gebracht. Egal wie hoch meine “Akivitätsanzeige” und egal wie gut gepflegt meine Seite dort war. Ich bekam Spam von “Vernetzungsagenturen” und von “Contentmanagern”. Und dazu kamen dann noch Xing-eigene Netzwerke die mir politisch aufstoßen.

Meine Art von Dienstleistung war nicht interessant für Xing. Mein “Netzwerk” wuchs. Mein Lebenslauf wurde immer “Prächtiger” und das war’s auch. Nicht einen Euro habe ich durch Aufträge in SIEBEN Jahren dank Xing verdient, aber viele Stunden Pflege und Kraft reingesteckt (Und wenn ich von Euro spreche, meine ich auch Kontakte die mir einen Job auf anderen Wegen einbringen konnten). Selbst durch Plattformen wie “Das Auge” die explizit für mein Art von Dienstleistung ausgelegt sind habe ich NICHT EINEN Euro verdient, aber auch hier Portfolios erstellt, Texte geschrieben, Netzwerke aufgebaut, Kontakte angefragt und Lebensläufe überdacht. Nichts. Mein Account bei “Das Auge” wurde 8 Jahre alt.

Auf Facebook hatte ich 4 Seiten zu verwalten. Ich schaffe es kaum noch einen Comic pro Woche, und einen MAGUN-Beirtag im Monat zu erstellen. Wie soll das dann mit 4 weiteren Seiten gelingen. Kennt ihr den schönen Spruch aus dem Herrn der Ringe “Zu wenig Butter auf zu viel Brot verstrichen”? Ein trockenes Brot mit zu wenig Butter ist scheiße. Ich kann nicht unmengen an Butter produzieren. Warum dann auf zig Scheiben Brot verteilen? Ein gutes Stück Brot, und ordentlich Butter, das macht Appetit. Also weg mit den ganzen Unterseiten (eine ist noch im Löschprozess). Doch haben Kontakte über Facebook schon Arbeit ins Haus gebracht. Daher darf der Account weiterleben.

Es gibt eine schöne “Regel” für Materielle Dinge: Hast Du es seit 3 Jahren nicht mehr benutzt? Ja? Dann weg damit, oder reanimiere es ehrlich und diszipliniert. Egal ob Klamotten, Schachteln von Computerspielen, Schuhen, Dekogeschenken oder halt auch Accounts.

Ich will gute Qualität liefern, ich will freude an meiner digitalen Präsenz haben. Ich will mich mit meinem Netzwerk vernünftig austauschen können, und wenn möglich soll mir meine Präsenz auch immer mal wieder Geld einbringen, da ich von dieser Arbeit lebe. Alle Accounts die ich jetzt noch wirklich Aktiv und ansatzweise gut pflege sind Accounts die mich finanziell weiter gebracht haben, oder die mir “Energie” geben, weil es Freude macht und Sichtbarkeit generiert.

So gehe ich an dieses Thema ran. Vielleicht hilft es ja den einen oder anderen von euch auch ma ein wenig aufzuräumen 🙂

In diesem Sinne! Haltet euren digitalen Raum sauber! Er ist ein wichtiger Teil unserer eigenen Dreieinigkeit Körper-Seele-Netzpräsenz.

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2 Gedanken zu „Der ewige Kampf

  1. Manches Onlinezeugs ist erstaunlich schwer zu löschen. Aber Du hast ganz recht, ausmisten is wichtig.

    Eine schönes Bild, das ich dazu in der Literatur gefunden habe, war das eines jungen Burschen, der mit leichtem Gepäck auszog, um die Welt zu entdecken. Jahre später sah man ihn dann wieder, einen riesigen Sack hinter sich herziehend, der ihn kaum noch voran kommen ließ.

    Ab und zu muss man da reduzieren. Platz für neues schaffen und Ballast abwerfen, so dass man beweglich bleibt.

    Ich hoffe jedoch dieses Blog muss nicht so schnell weichen. Oder zumindest, dass es dann woanders weitergeht, mit Leanders Feiner Linie 🙂

    • Den Blog hier werde ich hoffentlich NIE aufgeben müssen. Er ist ein bisschen meine Basis im Internet geworden. Von hier aus mache ich meine kleinen Expeditionen 😉

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