Seit ich Vater bin…

(Achtung Schnulzgefahr, aber ehrlich gemeint)
Seit dem ich Vater bin hat sich einiges in meinen Sichtweisen gegenüber der Welt geändert, verstärkt und relativiert.

Ich bin zur Überzeugung gekommen, dass …
– Karrieregeilheit Gift für eine gesunde Beziehung zu Partner und Kindern ist.
– Geld leider eine Notwendigkeit ist, aber nicht alles im Leben. (Siehe Punkt 1)
– der derzeitige Drang der Politik und Wirtschaft, beide Elternteile in eine 40 h/w Arbeit zu zwängen, damit sie noch mit Müh und Not die Familie ernähren können, eine Misshandlung der Gesellschaft ist.

Meine Ansichten haben sich verstärkt, in Punkten wie …
– Kein Mensch sollte Krieg erleben müssen. Keine Menschen, kein Kind sollte Hunger, schwere Krankheit, Misshandlung und Leid erleben müssen.
– Die derzeitige Politik und Wirtschaft arbeitet gegen ein gesundes Entwickeln von Gesellschaft und beginnt, alte Fehler neu aufzulegen.
– 40 h/w ist nicht notwendig und als selbstverständlich angesehene Überstunden sind ein reines Zeichen von unfähiger Planung und Unterjochung des Menschen durch einen unmenschlichen Markt, der bereits existierende krankhafte Züge mehr und mehr wuchern lässt und auch noch feiert.

Ich trage an diesen Punkten mitschuld oder bin hypokritisch, weil …
– ich nicht immer bewusst und aufmerksam einkaufe.
– ich bei Händlern kaufe, die nicht gut zu ihren Mitarbeitern sind, und all das fördern, das ich verachte.
– ich Produkte gekauft habe, die unter sehr schlechten Bedingungen hergestellt wurden.
ich durch die bereits genannten Punkte ein Teil des Systems bin, das ich als tödlich erkrankt empfinde.
– ich derzeit keiner Institution spende, die versucht die Welt in einen besseren Ort zu verwandeln. (EDIT: Inzwischen unterstütze ich konstruktiven Journalismus und spende unregelmäßig an nationale und internationale Organisationen die sich für Gesundheit und Bildung einsetzen)
– ich lange Zeit sehr schnell über Menschen urteilte, ohne ihre Hintergründe wirklich zu kennen. (Was in der Regel fast nicht möglich ist.)

Um die Welt ein klein bisschen besser zu machen, versuche ich …
– nur noch für Kunden zu arbeiten, die ich moralisch vertretbar finde.
– eine Organisation auszusuchen, die ich finanziell unterstützen kann und wenn es nur wenige Euro im Monat sind.
– mehr darauf zu achten, was ich kaufe.
– meinen Söhnen eine gesunde Weltanschauung von Gleichberechtigung für jeden Menschen und Liebe vorzuleben.
– mir immer Zeit für meine Familie zu nehmen, wenn ich oder sie es braucht, und mehr.
– nicht zu schnell über andere Menschen zu urteilen.
– mehr zu reisen und die Welt besser zu verstehen.
– auf niemanden zu hören, der Hass, Mord und Verachtung gegenüber irgendeiner Gruppe von Menschen predigt, die für Existenz nichts können, oder mir ständig versucht Schuldbewusstsein einzureden, weil ich das oder jenes bin, oder zu sein habe. (Werde aber hinhören wenn es darum geht was ich tue)
– Anderen Menschen es nicht übelnehmen, wenn sie es nicht perfekt schaffen, “gut” zu sein, da auch ich alles andere als perfekt oder “gut” bin, und ich bei all diesen Punkten schon mindestens ein Mal gescheitert bin oder mal scheitern werde. Jeder macht Fehler, und wenn man will, dass man seine eigenen Fehler nicht ständig vorgehalten bekommt, muss man Verständnis für die Fehler anderer Menschen haben, auch wenn es einem schwer fällt.

Ich blicke auf meine Frau und auf meine beiden kleinen Söhne, und ich muss gezwungenermaßen lächeln. Egal wie anstrengend die Nächte durch die Jungs waren, egal wie quängelig sie sein können. Ich bin so von Glück gesegnet, es wäre eine Schande, wenn ich nicht versuchen würde, die Welt für meine Kinder und meine Mitmenschen schöner zu machen. Selbst mit den wenigen Mitteln, die ich dafür zur Verfügung habe. Und auch wenn es nur kleine Schritte und wenige Schritte sind. Macht man erst einmal einen guten Schritt, folgt schon bald ein weiterer, und ein weiterer. Es ist der Start, der meist am schwersten fällt und er muss bei jedem Thema neu gemacht werden.

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